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Donnerstag, 22. Mai 2008

Ziemlich fernmüde

Der Frost hat sich relativiert, es ist jetzt ungefähr deutsches Oktoberwetter. Für weitere Temperatureinbrüche hab ich aber jetzt immer ne lange Thermoleggings im Rucksack dabei. Regenhose und -Jacke schon immer, muß sein, wenn man mit dem Rad unterwegs ist. Und ich war ja schon immer ein Rucksack-Typ.

Mein Vater schloß seine letzte e-Mail an mich mit "mach es weiterhin gut". Das erscheint mir momentan ziemlich abstrakt, da ich mich zunehmend frage: "Was mach ich überhaupt noch hier?" Okay, arbeiten. Die Verkäuferin, die ich befristet vertrete, erholt sich noch mindestens bis Ende Juni von ihrer erfolgreichen Krebstherapie. Aber was hab ich davon, daß ich hierbleibe, außer dem Stundenlohn? Von jeden Tag, den ich schon wieder zuhause sein könnte, krieg ich fünf bis siebeneinhalb Stunden bezahlt, das gilt sogar nur für fünf Siebtel der Tage. Meine einzige berufliche Herausforderung ist, daß ich (meinem Gefühl nach) vom Chef momentan für blöd gehalten werde und auch tatsächlich gegen Langeweile und Verblödung ankämpfe, weil das Geschäft saisonal abflaut.

Sinnkrise auf meiner Seite und stumpfes Durchhalten. Am andern Ende wartet ZUHAUSE mein Liebster, den ich schon genau drei Monate lang nicht geknuddelt habe, seit ich ihn in Auckland an die Lufthansa abgeben mußte. Das allein wär schon schlimm genug, erschwerend hinzu kommen mindestens ein Vorstellungsgespräch, das eventuell wegen meiner Abwesenheit ins Wasser fällt, ne Wohnung, die meine ist, soviele Schätze im Keller, Himbeeren und Passionsblumen im Garten, ne Stadt mit Straßenbahn und Altertum und Rhein, Dom und Döner und Sünner Malz, mein Revier, meine Familie und alte Freunde, Sommer und ne Sprache, in der ich nicht bloß zurechtkomme, sondern zuhause bin. Heimweh? Das klingt so dramatisch. Ich würds mal eher als Fernmüdigkeit bezeichnen. Ist ja nicht so, daß ich es hier keinen Tag länger aushalte. Es hält mich hier nur nicht mehr richtig.

Darüberhinaus gehts mir gut. Die sieben Wochen pack ich auch noch. Bloß wozu?

Entwarnung: Ich werd in den nächsten Blogs mal ein paar alte Highlights nachholen, damit Ihr nicht auf die Idee kommt, ich hätte hier die ganze Zeit so unerfüllt zugebracht.

Also: Macht es auch weiterhin gut! Bis demnächst!

Sonntag, 6. April 2008

Obst-Business

Ich schreibe immer zu lang. Dann werd ich nie fertig, und Ihr kriegt nie was zu lesen. Tut mir furchtbar leid. Heute versuch ichs mal kurz zu halten:

Ich hab heute als selbständige Unternehmerin debütiert.
Habe auf meinem Fahrradspaziergang einen unerwarteten Fund von reifen Feijoa-Früchten gemacht und den Ertrag aus einer Laune heraus an den nächstgelegenen Supermarkt verkauft, anderthalb Kilometer weiter. Lokaler gehts gar nicht. Einfacher auch nicht. Hab mir ne neue Tüte geben lassen und auf dem Rückweg nochmal doppelt soviel für mich selber gesammelt. Und für Euch, denn das Zeug wird nun irgendwie eingemacht, und mindestens ein Glas nehm ich mit heim, das kann dann probiert werden solange der Vorrat reicht.

Hauptberuflich bin ich auch im Obstgeschäft, und zwar in einem großen, sehr beliebten Obst- und Gemüseladen, der sogar auf der offiziellen Feinschmecker-Touristenroute empfohlen wird, Kollegin und Chef sind auch prima. Wohnen tu ich bei Wendy, ex-Kollegin vom Beerenpflücken auf einem anderen Obsthof, der zwei von drei Töchtern flügge und zwei Zimmer im Haus freigeworden waren und die mich immer noch gerne da hat. Beides zusammen, das recht gute Verdienen und An-der-Quelle-sitzen im Obstladen und der Freundschaftspreis fürs Wohnen erlauben mir, gut zu leben und gleichzeitig ernsthaft spürbar mein Budget zu regenerieren. So weit so gut. Philosophische Abhandlungen bzw arbeitspädagogische Nabelschau dazu, was für Umdenkprozesse die Brombeerhecke des vorangegangenen Erntejobs Jobs bei mir ausgelöst hat, können hartgesottene Fans sich als Livenummer reinziehen, wenn ich wieder im Lande bin. Ich habs schriftlich versucht, aber das ist der totale Kuddelmuddel und wirklich nicht druckreif. Wichtig ist, daß mein Trip die erwünschte Wirkung zeigt: Ich bin zurück im Berufsleben und finds richtig gut.

Freue mich auf Deutschland, werde aber hier noch gebraucht. Bin zu den Kölner Lichtern wieder im Lande und werd mich bis dahin wohl auch nochmal melden :)

Tschau mit au